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Wenn der Wind weht

Predigt-Slam in Wittenberg am 12. August 2015:

Sehnsucht ist ein Wort mit lila Leuchtbuchstaben an das Firmament geworfen,
es klingt nach Meer und Salz und Tränen.

An unserem letzten Morgen lagst du neben mir, in meinem Bett.
Deine Haare so hell wie der Weizen im Sommer,
Deine Augen wie das Meer, glitzernde Lichtfunken.
Ich konnte in deinen Tiefen die Trauer sehen,
den Abschied, den keiner wollte.

Es könnte doch so einfach sein, zwei Menschen finden sich und lernen sich lieben.
Und vielleicht springen sie unter dem Schein der Sterne in einen See;
und vielleicht durchtanzen sie die Nacht;
und vielleicht stehen sie miteinander lachend im Regen,
bis nicht zu unterscheiden ist, ob es Regentropfen oder Tränen sind.
Happy Ever After, wie es in den Märchen steht.

Doch immer, wenn der Wind durch meine Haare weht,
spüre ich dieses Sehnen tief in mir.
Und eine Stimme, die flüstert:
Bleib nicht stehen, dreh dich nicht um!
Geh dorthin, wohin der Wind dich treibt!

Und so gehe ich und lasse dich stehen.
Nur wohin, das weiß ich nicht.

Und die Straße gleitet fort und fort
unter meinen Füßen, das Pflaster ist hart,
scharfe Kanten graben sich in die Fersen,
kleine Steine in die ungeschützte Haut.
Bleib nicht stehen! Dreh’ dich nicht um!
Geh dorthin, wohin der Wind dich treibt!
Meine Füße brennen durch die Glut der Erde,
salziger Schweiß auf trock’nen Lippen,
Abenddämmerung über dem Land,
einsames Pilgern auf den Wegen des Lebens.

Und da ist Kein Ort nirgends der mich hält.
Morgens um 5 in einem Nachtzug, Ziel unbekannt;
mittags um 2 in einer fremden Stadt, Kaffee mit Orangenblütengeschmack;
nachts um 1 mit einem Fiat durch Donner und Hagel, Straßenfluten überall.
Bleib nicht stehen! Dreh’ dich nicht um!
Geh dorthin, wohin der Wind dich treibt!

Sehnsucht ist ein Wort mit feurigem Stift in das Herz geschrieben,
es klingt nach Himmel und Wolken und einsamen Wegen.

Einmal kehre ich ein in eine Bar, ein rosarotes Wonderland.
Ein heißer Tag in einer Stadt, ein kühles Bier zum Sommerabend.
Menschen tanzen und lachen wie wild, auch sie vom Wind getrieben?
Frank Sinatra singt ein altes Lied, vom Lieben und alleine Geh’n.

Gerüche erfüllen den belebten Raum,
erinnern an kalten Rauch und Rosen.
Ein fremdes Mädchen bietet Gesellschaft an,
verspricht Liebe und das Paradies auf Erden,
ich lächle sie nur müde an,
spüre den Wind an meinen Haaren zieh’n,
und fühle das Sehnen tief in mir.

Es könnte doch so einfach sein, zwei Menschen finden sich und lernen sich lieben.
Stattdessen ein Kommen und Gehen, das Leben reißt sie mit sich fort.
Und eine Stimme flüstert in uns hinein:
Bleib nicht stehen, dreh dich nicht um!
Geh dorthin, wohin der Wind dich treibt!

Und so kommt der Tag, da muss ich geh’n,
und unbekannte Wege zieh’n,
zur Ferne hin, zum fremden Ort
Nur wohin, das weiß ich nicht.

Sehnsucht ist ein Wort in rosarot auf Papier getupft,
es klingt nach Himmel und Meer und Segen.

Und eines Tages stehe ich am Meer,
die Weite des Himmels über mir gespannt.
Die Wellen rauschen im wiegenden Takt,
das Universum singt in mir.
Eine Stimme flüstert im Wind.

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