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Alles neu

Andacht für den Ewigkeitssonntag (20.11.2020):

„Siehe, ich mache alles neu“.

Ich lege den Besen beiseite.
Den Staub klopfe ich mir ab.
Dann schaue ich mich um:
Alles wie neu.

Licht scheint durch das Fenster:
Auf den neuen Boden,
das neue Laminat.
Die Wände strahlen weiß.

Es riecht noch nach Farbe.
Viele Jahre hat sie hier gelebt.
Ihre Spuren hinterlassen.
Über dem Geruch der Farbe,
liegt noch leicht der von Nikotin.

Wie viel Leben passt eigentlich in einen Karton?

Wir haben Bücher aussortiert, Geschirr.
In Kisten gepackt, verschenkt, verkauft.
Manches mitgenommen, manches entsorgt.
Wir haben ein Leben aufgeräumt.

Und dann die Wohnung.
Stunden und Tage waren wir hier,
wir haben gemalert, gefliest, geflucht, gelacht.
wir haben gewerkelt, gestrichen, gestritten, gewacht.
Wir haben Böden verlegt
und Duschen montiert.

Wir besuchten Baumärkten,
saßen auf dem Boden,
waren manchmal, oft verzweifelt.
Und doch ist Tun leichter als Trauern.

„Siehe, ich mache alles neu“.

„Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen!
Er wird bei ihnen wohnen!“

Ich glaube, Gott war dabei.
Damals schon, in der Nacht, als sie starb.
Und bei dem Anruf. Und bei dem Abschied.
Und im Warten auf den Abschied am Grab.
Und beim Warten, und beim Warten.

Und auch heute noch:
ist Gott bei uns.
Sortiert und ordnet,
malert und wienert,
wischt und fliest.
Macht alles neu.

Und bewahrt manches,
von dem Altem, von dem Guten.
Von den Erinnerungen, die bestehen.

Und ich glaube:
Gott wischt nicht nur die Wohnung.
Er wischt auch alle Tränen ab.
Und der Tod wird nicht mehr sein.
„Siehe, ich mache alles neu“.